...nun kommt der ganze alte Mist wieder hoch als ich kein Kind mehr sein durfte und eine Nummer (164) wurde, welche nur fehlerlos funktionieren und parieren sollte. All das Leid der anderen um mich herum, all die Gewalt, real und psychisch. Der stetige Druck ja keinen Fehler zu machen. Ich hatte dies eigentlich gute 24 Jahre erfolgreich vergessen und mit den Unterlagen dazu weggeschlossen. Scheiß Spiel. Warten. Das Radio dudelt Schlager. Mutter heult wie verrückt als man mich wegholt. Durchgangsheim Dresden. Dann ging es weiter nach 9630 Crimmitschau. Mein neuer Platz war nun in der Gruppe Junge Garde im JWH Clara Zetkin in der Talstrasse 1. Alle Träume waren zerschellt und ich konnte nur noch an meine Freiheit denken. Zensur der Briefe und aller Gedanken. Kakerlaken im Essen. Vitaminmangel und damit verbundene plötzliche Orangenschwemme. Schwerer Tadel mit Androhung von Torgau. Kabarett. Ein Jugendlicher wollte mich mit einem Buttermesser erstechen. Zarte Liebe zu einer Mitinsassin. Nach dieser Zeit beschäftigte sich das Ministerium des Inneren sowie die Staatssicherheit mit mir. Ich hatte sogar meinen besten Freund welcher regelmäßig bei den Genossen Protokoll über mich ablegte. Meine Akte habe ich aber bisher nie angefordert. Habe irgendwie kein Interesse daran oder vielleicht auch einfach Angst. Wenn ich heute Bilder von dem Gebäude sehe wird mir richtiggehend übel. Regelmäßig wiederkehrende Albträume und stetiges Misstrauen sind etwas was mir seit dem dauerhaft als Geschenk geblieben ist.
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